Pferde in Bayern April 2016 Auf die schönste Zeit….

Auf in die schönste Zeit des Jahres!

 

Das Frühjahr – endlich ist es da! Nicht nur die Pferde freuen sich auf die Weide, sondern auch für uns Pferdebesitzer ist es eine große Freude, wenn wir unsere Schützlinge wieder nach draußen schicken dürfen. Raus aus dem Stall, hinein in die Freiheit … Licht, Luft und Bewegung, das ist die beste Medizin für Pferd und Mensch.

 

Damit nichts schiefgeht, haben wir Ihnen einige beachtenswerte Punkte zusammengestellt.

 

 

Die sichere Weide

 

Ein guter Zaun ist der wichtigste Schutz für unsere Tiere. Eine gründliche Kontrolle, bevor das erste Pferd die Weide betritt, ist unabdingbar. Der gute, achtsame Pferdehalter kennt jeden Meter seiner Zäune. Sitzen die Pfosten fest in der Erde? Holzpfosten sollten zu einem Drittel fest im Erdreich sitzen.Poröse Holz- oder Plastikpfosten müssen gegen Neue ausgetauscht werden, wackelnde werden wieder nachgeschlagen. Elektroband leidet durch Witterung. Die Kontrolle auf Stabilität und Leitfähigkeit muss unbedingt erfolgen. Die beste Batterie und das stärkste Weidezaungerät bringen nichts, wenn das Band oder die Kordel nicht mehr in Ordnung ist. Schauen Sie nach, ob das Elektroband Risse zeigt oder beschädigt ist. Tauschen Sie es großzügig aus und achten Sie auf gute Verbindungen, möglichst ohne zu knoten. Bewuchs am Zaun stört und leitet den Strom ab. Ebenso, wenn das Band beispielsweise mit Holzpfosten in Berührung kommt.

Isolatoren, Befestigungen und Verbindungen halten nicht ewig und müssen erneuert werden, wenn sie abbrechen oder das Material ermüdet ist. Stacheldraht hat an einer Pferdeweide nichts zu suchen! Die Gefahr, dass Pferde sich daran schlimm verletzen, ist sehr groß! Schneiden Sie schon im Frühjahr die Zäune frei von altem Bewuchs. Brombeersträucher, die noch vom Vorjahr stehen, werden am besten frühzeitig entfernt, damit sie sich gar nicht erst ausbreiten können.

 

 

Wasserfässer / Anhänger gehören nicht auf die Pferdeweide!

 

Immer wieder werden Wasserfässer oder Anhänger ohne eine Umzäunung auf Pferdeweiden abgestellt. Bitte achten Sie auf die Sicherheit Ihres Pferdes, indem Sie sich die Umgebung desselben genau anschauen. Auf Hof und Anwesen, wo auch immer sich Pferde aufhalten, dürfen keine Verletzungsmöglichkeiten übersehen werden. Schauen Sie genau hin, was sich im Hof, neben Reitplätzen, auf den Weiden befindet. Alles Scharfkantige in Boden- oder Pferdenähe muss unbedingt vermieden werden! Ebenso dürfen keinesfalls Schnüre, Kabel, Kordeln auf dem Boden liegen. Zu schnell verfängt sich ein Pferdebein darin, und in der Panik kann es zu schlimmsten Verletzungen kommen.Die Weidefläche selbst soll absolut frei von Verletzungsmöglichkeiten sein.

Auf eine Pferdeweide gehören kein Unrat, keine Anhänger, Wasserfässer oder sonstige Hindernisse. Das sind alles Gefahrenquellen, wo sich Pferde sehr leicht verletzen können.

Die Weidehütte darf keine scharfen Kanten besitzen.

 

 

Weidepflege ist unabdingbar für die gesunde Ernährung

 

Giftpflanzen sollten schnellstmöglich ausgestochen werden. Das Mulchen von Koppeln geschieht idealerweise nicht im Frühjahr. Besser ist es, vor der Winterruhe die Weiden von unerwünschtem Bewuchs zu befreien und die sogenannten „Geilstellen“ zu entfernen. Dann hat die Weide Zeit, sich zu regenerieren, die Parasiten sterben besser ab, und auch Giftpflanzen, die abgemäht sind, stellen keine Gefahr mehr dar, selbst wenn unerwünschte Pflanzenpartikel durch das Mulchen noch über die Wiese verteilt wurden. Das Nachsäen sollte möglichst frühzeitig erfolgen, nach der Forstperiode, vor dem Wuchsbeginn auf gelockerten, feuchten Boden. Inzwischen gibt es Firmen, die sich mit Nachsaaten von Pferdeweiden intensiv auseinandersetzen. Pferdegräser sollen artenreich, stengelhaltig und trittfest sein, Kräuter sind erwünscht. Weiden, die über Jahre hinweg ohne ausreichende Pflege beweidet wurden, leiden unter einseitigen Bewuchs. Dadurch gehen der Pferdeweide vielfältige Futterquellen verloren, und den Tieren fehlen wichtige Nährstoffe. Solche Pferdeweiden eignen sich nicht, um Heu zu gewinnen, denn auch dafür ist es wichtig, möglichst eine vielfältige, artenreiche Fläche zu haben, die unseren Rössern als allerwichtigste Nahrungsgrundlage dienen kann.

 

Ist gutes Weideland, mit vielen Gräsern und Kräutern, gewährleistet, muss normalerweise nichts zugefüttert werden. Ist das nicht gegeben, sollte sich der Pferdebesitzer zusätzlich mit Kräutern oder natürlichen Mineralfuttersorten als Zusatzfutter behelfen.Im Frühjahr macht es Sinn, den Tieren zum stängelarmen Weidegras Raufutter in Form von Heu oder Stroh zu reichen. Es wird gerne angenommen, ist sehr wichtig für den Magen- und Darmtrakt und beugt Durchfälle vor.

 

 

Wann ist das langsame Einweiden nötig?

 

Das Einweiden soll immer so geschehen, dass die damit verbundene Futterumstellung langsam erfolgt. Das kann entweder so gehen, dass die Pferde von Anfang an, also sobald es witterungsbedingt möglich ist, auf die Weide gebracht werden. Dies kann im März/April erfolgen, denn da ist das Futterangebot gering und mit dem Wachstum des Grases gewöhnen die Tiere sich langsam daran. Dadurch haben die Pferde nur selten Probleme mit der Umstellung von Heu auf Gras.

Dürfen die Pferde erst ins Gras, wenn schon viel Futter auf der Weide steht, sollte man an das langsame Einweiden denken. Da macht es Sinn, über einige Tage die Zeiten des Koppelgangs nach und nach auszudehnen, in denen die Tiere ihr geliebtes Gras fressen dürfen. Mögliche Zeiten wären erst ein paar Tage zwei Stunden auf die Weide, dann auf einen halben Tag verlängern und in etwa zehn Tagen dürfen sie dann den ganzen Tag Gras fressen. So passiert auch empfindlichen Tieren nichts.

Der Vorteil des Einweidens ist nicht nur die Gewöhnung an das Gras, sondern auch an die neue Umgebung. Idealerweise sollten die Pferde gleich auf die Weide mit ihren Artgenossen, mit denen sie auch in Zukunft zusammenbleiben werden. Die Verträglichkeit sollte langsam geprüft werden. Ist dann ein fester Herdenverband vorhanden und funktioniert es gut, sollte daran nicht allzuviel an der Zusammensetzung geändert werden. Neue Pferde in eine Herde zu integrieren, kann immer Gefahren mit sich bringen und muss langsam und gut beobachtet erfolgen.

 

Unfallvermeidung:

 

Die häufigsten Unfälle passieren durch Verletzungen der Pferde untereinander

 

Die häufigsten Unfälle beim Pferd passieren auf der Koppel, wenn sich Pferde gegenseitig verletzen. Doch wie ist das vermeidbar? Fremde Pferde müssen langsam in eine bestehende Herde integriert werden. Oft ist es besser, in Kleinstgruppen anzufangen. Erste Kontaktaufnahme einer bestehenden Herde mit einem Neuling geschieht über einen Zaun (Elektroband reicht nicht, nur wenn zwei Zäune mit Abstand von etwa 1 Meter gezogen werden) unter Beobachtung. Nach einigen Stunden oder Tagen, wenn die Tiere friedlich nebeneinander stehen, nimmt man ein einzelnes Pferd aus der Herde heraus, am besten das Leittier, und stellt es zu dem jetzt nicht mehr ganz so fremden Neuling. Ausreichend Platz zum Ausweichen muss dabei immer gegeben sein! Wenn die beiden gut harmonieren, kann der Neuling zu der Herde gelassen werden.

 

Eine Koppel und das Leben in Gefangenschaft sind nicht mit der freien Natur gleich zu setzen. Dort gibt es keine Zäune oder Menschen, die das Leben eines Tieres bestimmen und verändern! So passieren Fehler meistens durch Unachtsamkeit und Unkenntnis der Pferdehalter.

 

Das 1 x 1 der Gruppenhaltung:

 

  • Kein zusätzliches Füttern einzelner Tiere in der Gruppe. Am besten nur Rauhfutter geben, Kraftfutterfütterung in der Herde braucht eine eigene Organisation. Es führt sonst schnell zu unnötigen Rageleien.
  • Lieber die Tiere in kleine Gruppen aufteilen, die sich sicher auf engstem Raum verstehen, als eine große Gruppe, die unruhig ist und nicht genügend Ausweichmöglichkeiten für den Einzelnen bietet.
  • Werden mehrere Pferde auf einer Weide oder einem Platz gehalten, sollte der Pferdebesitzer die hinteren Hufeisen grundsätzlich entfernen lassen, um schlimme Trittverletzungen zu vermeiden.
  • Kommt ein neues Herdenmitglied dazu, bitte langsam eingewöhnen! Erst mit einem, oder besser, zwei Zäunen zwischen den Tieren, bis Akzeptanz zu erkennen ist. Dann erst sollte einzeln integriert werden.
  • Eine geschlossene „Gasse“ am Eingang verhindert Tumult und Gedrängel beim Herein- oder Herausführen. Das ist auch stressfreier für den Menschen, denn ohne eine Gasse, einen abgegrenzten Raum am Eingang, hat man schnell die ganze Herde hinter sich.

 

 

Das Training

 

Nach der Winterpause soll es endlich losgehen. Viele freuen sich auf die langen Abende und auf entspannende Ritte ins Gelände. Es gibt nichts Besseres für junge Pferde; durch das Arbeiten im Gelände werden das Gleichgewicht und die Muskeln trainiert und das Selbstbewusstsein geschult. Doch wie kann man vorgehen, wenn der letzte Ausritt schon einige Monate her ist?

Spazieren laufen: War Ihr Pferd lange schon nicht mehr im Gelände, gewöhnen Sie es an den Weg vom Stall und an das unbekannte Terrain mit einem Spaziergang. Loben Sie es, wenn es mit Ihnen geht, zeigen Sie ihm tolle Stellen zum Fressen und die schönen Seiten. Dabei bleiben Sie konsequent in Ihrer Haltung beim Führen, lassen Sie sich nicht überrennen, lassen Sie ihr Pferd hinter Ihnen laufen. Geben Sie ihm Sicherheit und klare Ansage. Vorher Bodenarbeit, dann ein Spaziergang – das ist perfekt!

 

Ein ruhiger Wegbegleiter als Beipferd: Ein ruhiger, angstfreier Artgenosse aus dem Stall als Führpferd ist die beste Lösung, ein Pferd wieder an das Gelände zu gewöhnen. So geht es nicht alleine und fühlt sich sicher. Auch die Möglichkeit, ein Pferd als Handpferd geländesicher zu machen, bringt ein Stück Sicherheit,

 

Vorher Austoben: Der erste Ausritt darf ruhig kurz ausfallen. Gut ist es, wenn das Pferd vorher genug Bewegungsmöglichkeiten hatte, durch Koppelgang, Longieren oder Reiten auf dem Reitplatz oder in der Reithalle, damitder erste Übermut ausgelebt ist. Ein solches Vorbereiten kann Wunder wirken! Wenn Sie dann noch die Möglichkeit haben, bergauf zu reiten, nutzen Sie es. Das gibt Muskeln und macht müde.

Deutlich kommunizieren:

Die Ohren und der Blick sind aufmerksam nach vorne gerichtet. Plötzlich ein Geräusch, das Pferd dreht den Kopf, lauscht, steht wie ein Fels und möchte am liebsten zurückrennen, in seinen Stall, zu seiner sicheren Herde. Wer kennt das nicht?

Oder das Pferd wird nervös, tänzelt, es gibt keine Ruhe mehr. Es ist, als sitze man auf einem Pulverfaß.

Wie können solche Situationen vermieden werden?

Lenken Sie die Aufmerksamkeit Ihres Pferdes immer auf sich. Geben Sie ihm kaum Zeit, selbst zu denken. In jeder Sekunde geben Sie ihm Sicherheit, wenn Sie präsent sind.

 

  • Bleiben Sie ruhig, immer!
  • Sobald sich ihr Pferd gedanklich von Ihnen abwendet, z.B. etwas anschaut, Angst bekommt, geben Sie ihm ein Kommando zum weiterlaufen oder abwenden, lenken Sie sofort die Aufmerksamkeit auf sich! Sie dürfen alles, z. B. kleine Lektionen reiten oder versammelt antraben; sobald es sich beruhigt, dürfen die Zügel wieder lang gelassen werden, es wird entspannt und gelobt. Wird es wieder unruhig, nehmen Sie vermehrt Kontakt auf und geben dem Pferd Sicherheit, indem Sie deutlich die Führung übernehmen. Ist der Mensch unsicher, wird es das Pferd auch. Bleiben Sie konsequent und beschäftigen Sie ihr Pferd, dann wird es nicht so schnell auf „dumme Gedanken“ kommen und sich zu oft ablenken lassen. Notfalls wird abgestiegen und in Stück geführt. Denn Sicherheit geht immer vor!

 

 

Katrin Ehrlich, Therapie und Training, www.tierheilpraxis-ehrlich.de 06029/989547